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Prekär ausgebildete Jugendliche und die Möglichkeit des Unternehmertums



Paul OMANDJI

Leiter der internen Revision (RAI) bei der Generaldirektion für Steuern der DR Kongo.

Doktor DBA des Business Science Institute

(DBA-Dissertation, betreut von Prof. Schmitt)


 

Einleitung


Was stellen sich junge Hochschulabsolventen in einem Umfeld hoher Arbeitslosigkeit und Unsicherheit unter dem Unternehmertum vor? Was könnte diese Vorstellungen und die entsprechenden Profile erklären? Wie kann diesen Hochschulabgängern geholfen werden, um von einem Unternehmertum aus Not zu einem opportunitätsorientierten unternehmerischen Verhalten umzuschwenken?



Forschungsimpakte: Hauptergebnisse


Diese wissenschaftliche Arbeit hat achtzehn kategorielle und fünf kollektive Vorstellungen sowie ein zentrales und drei periphere Elemente identifiziert, die die Vorstellungen vom Unternehmertum der Neuabgänger kongolesischer Universitäten erklären. Die Untersuchungen zeigen, dass die jungen Erwachsenen in prekärer Lage ein positives Bild vom Unternehmertum haben, aber dass ihre unternehmerische Denkweise eher auf ein Unternehmertum aus Not als auf ein opportunitätsorientiertes unternehmerisches Verhalten ausgerichtet ist.


Die Arbeit zeigt fünf unternehmerische Vorstellungsprofile junger Menschen auf, als da wären: (1) die Menschen voller Tatendrang, die sich immer irgendwie durchschlagen und glauben, Unternehmer zu sein; (2) diejenigen, die unternehmerische Fähigkeiten haben, aber nicht an das Unternehmertum glauben; (3) die, die an den Status des Arbeitnehmers glauben und das Unternehmertum schon im Ansatz ablehnen; (4) die, die an das Unternehmertum glauben und den Arbeitsnehmerstatus ablehnen; (5) diejenigen, die an ein Gleichgewicht zwischen Unternehmertum und Arbeitnehmerstatus glauben.


Selbst wenn sich einige junge Leute mit Überzeugung in das opportunitätsorientierte unternehmerische Verhalten (Aktivität mit gesichertem Mehrwert) stürzen, so glauben andere, der größte Teil der jungen Erwachsenen, die im informellen Sektor beschäftigt sind (Aktivitäten des „Zurechtkommens“), Unternehmer zu sein. Diese Vorstellung, die in ihrem kognitiven Schema verankert ist, lässt sich mit ihrem Willen erklären, gegen die Unsicherheit anzukämpfen (zentrales Element), ihrem geringen Potenzial, sich langfristige Projekte vorzustellen, den geringfügigen pädagogischen Fähigkeiten der Universitäten, was das unternehmerische Denken und Handeln angeht, und dem dürftigen Austausch mit den Akteuren ihres unternehmerischen Ökosystems (periphere Elemente). Deshalb schlage ich Aktionsschwerpunkte vor, um die unternehmerischen Vorstellungen dieser jungen Menschen weiterzuentwickeln, damit ihre Projekte mehr auf opportunitätsorientiertem unternehmerischem Verhalten als auf einem Unternehmertum aus Not basieren. Diese Aktionsschwerpunkte umfassen Maßnahmen, die vor Ort bei den beteiligten Parteien des unternehmerischen Ökosystems der jungen Menschen durchzuführen sind.



Forschungsgrundlagen


Meine Forschungen bestätigen und rechtfertigen das Paradigma, demzufolge eine Begleitung von Unternehmern im Vorfeld der Gründung sehr effizient ist (Schmitt, 2015; Filion, 2008; Bourion, 2008). Dank dieser zielgerichteten Begleitung kann der zukünftige Unternehmer seine Vorstellungen weiterentwickeln und vom Unternehmertum der Not zum opportunitätsorientierten Unternehmertum wechseln (Tessier-Dargent, 2014).


Meine Forschungsarbeit bestätigt die Theorie von Filion (2008) indem sie nachweist, dass das unternehmerische Handeln junger Menschen, egal aus welchem Umfeld sie stammen, von ihren Vorstellungen diktiert wird. Meine Untersuchungen zeigen im Einklang mit Bourion (2008, S.105), dass ein „aufweckendes Element“ existiert, das den Auslöser für die Entscheidung der Unternehmensgründung darstellt, und dass im Fall der jungen, kongolesischen Universitätsabgänger, die sich in einer extremen Situation befinden, dieser Auslöser „das Überleben in einer prekären Lage“ ist.



Methodologie


Für meine Forschungen habe ich eine qualitative Methode herangezogen, die auf 40 Lebenserzählungen basiert, mit dem Ziel, aus den Erzählungen eine Theorie herauszukristallisieren. Die Lebenserzählung ist eine besondere Interviewform in deren Verlauf der Forscher eine Person (hiernach Subjekt genannt) darum bittet, ihm ihre Lebenserfahrungen ganz oder teilweise zu erzählen (Bertaux, 2005, S.11). Durch diese Methode kann der Forscher Verbindungen zwischen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft knüpfen, den Sinn des Verhaltens junger Menschen analysieren, ihre unternehmerischen Vorstellungen verstehen und sie mit dem Ziel begleiten, ihre Vorstellungen zu verändern. Die Verbatims wurden mit dem Programm Sphinx™ analysiert und die Ergebnisse anschließend diskutiert, um die untersuchten Fakten zu verstehen und zu theoretisieren.



Zur Vertiefung


  • Christophe Schmitt, La fabrique de l’Entrepreneuriat, Dunod, 2017.

  • Jean-Pierre Boisin et al., Mieux comprendre les représentations des étudiants dans le domaine de l’entrepreneuriat pour mieux adapter les programmes d’éducation, Revue de l’Entrepreneuriat, 2017.

  • Tessier-Dargent, Les paradoxes de l’entrepreneuriat de nécessité : Strapontin ou tremplin ? Revue Entreprendre & Innover, 2014.

  • Fabienne Bornard, Les liens entre représentation mentale et processus de création d’entreprise, Revue Internationale de Psychosociologie, 2012.

  • Louis-Jacques Filion, Les représentations entrepreneuriales : Un champ d’étude en émergence, Revue Internationale de Psychosociologie, 2008.

  • Christian Bourion, Les représentations entrepreneuriales, Revue Internationale de Psychosociologie, 2008.

  • Daniel Bertaux, L’enquête et ses méthodes, le récit de vie, Armand Colin, 2005



Schlüsselwörter


Unternehmerisches Profil, unternehmerische Vorstellungen, Unternehmertum aus Not, opportunitätsorientiertes unternehmerisches Verhalten, Lebenserzählung, Demokratische Republik Kongo.


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