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Islamische Finanzierung und lokale Entwicklung in Mali



Sidy Bouaré

Doktor DBA, Business Science Institute

(DBA-Dissertation, betreut von Prof. Geneviève Causse)


 

Einleitung


Mali ist ein unterentwickeltes Land[i] und seine wirtschaftliche und soziale Lage verbessert sich trotz der Umsetzung zahlreicher großer nationaler Projekte nicht. Wir möchten zeigen, wie wichtig lokale Entwicklungsprojekte sind, ohne die die globale Entwicklung einer Gesellschaft gefährdet ist (Greffe, 2002). Dieser Autor betont die Bedeutung lokaler Aktionen für die Verwirklichung makroökonomischer Ziele.


Unser Ziel ist doppelter Natur: Die Definition der Prinzipien der lokalen Entwicklung und dann die Untersuchung der Relevanz islamischer Mikrofinanzierung im Hinblick auf die Schwierigkeiten, klassische Finanzierungsmittel für Entwicklungsprojekte zu finden.


Forschungsimpakte: Hauptergebnisse


Die lokale Entwicklung kann mithilfe dreier Grundprinzipien behandelt werden. Erstens ist die lokale Entwicklung ein globaler Prozess, der nicht auf seine wirtschaftliche Dimension reduziert werden kann. Zweites, und dies ist ein wichtiges Prinzip in einer sich entwickelnden Wirtschaft, tragen Mikroinitiativen, vereinte Anstrengungen aller Beteiligten, zur globalen Entwicklung bei. Dies erklärt das gemeinschaftliche Vorgehen zur lokalen Entwicklung. Drittens hängt die wirtschaftliche Existenz der Gebietskörperschaften von ihrer Fähigkeit ab, die für ihre Entwicklung notwendigen personellen, finanziellen und materiellen Mittel zu mobilisieren.


Die identifizierten Akteure befinden auf nationaler, regionaler und kommunaler Ebene. Die lokale Entwicklung ist ein dynamischer Prozess, der eine partizipative Vorgehensweise erfordert, damit es der Bevölkerung gelingt, ihre Grundbedürfnisse zu decken. Die Entwicklungsfinanzierung durch das klassische Finanzierungssystem ist ungeeignet (Kosten, Rückzahlungsfrist, erforderliche Garantien usw.). Die islamische Finanzierung scheint eine Lösung zu sein, aber sie wird nicht verwendet und ist nicht hinreichend bekannt. Deshalb haben wir partizipative Verträge zur Finanzierung von landwirtschaftlichen und agroindustriellen Tätigkeiten simuliert und vorgestellt.


Die schlüssigen Ergebnisse dieser Simulationen führen zu Empfehlungen für zwei beteiligte Parteien. Zum Einen für die Verantwortlichen der Gebietskörperschaften, um sie dazu anzuhalten, auf ihrem Niveau günstige Bedingungen für die Nutzung islamischer Mikrofinanzierungen zu schaffen und die Besonderheiten der islamischen Finanzierungsprodukte zu berücksichtigen. Zum Anderen für die Personen, die für die Verwaltung der islamischen Mikrofinanzierungseinrichtungen verantwortlich sind, damit sie die Akteure der lokalen Entwicklung bestmöglich zufriedenstellen, insbesondere durch partizipative Finanzierungsverträge für die Betreuer kleiner Projekte. Unsere Forschungsarbeit wird somit den Akteuren sämtlicher Niveaus (national, regional und kommunal) helfen, die Hindernisse auf dem Weg zur lokalen Entwicklung zu identifizieren, insbesondere diejenigen, die sich durch die Finanzierungsmodalitäten ergeben. Sie zeigt, dass es Finanzierungsmöglichkeiten gibt, die an eine wirtschaftliche und soziale Entwicklung angepasst sind.


Theoretische Forschungsgrundlagen


Das Konzept der lokalen Entwicklung wurde zunächst in der umfassenden Literatur zu dieser Thematik analysiert. Im Licht der unterschiedlichen Definitionen und unter Berücksichtigung des geografischen Hintergrundes zeigt diese Forschungsarbeit, dass die lokale Entwicklung ein Gemeinschaftskonzept sein muss, das heißt, die betroffenen Akteure, die verantwortlichen Politiker, aber auch die Firmenchefs und die Bevölkerung im Allgemeinen mit einbeziehen muss (Tremblay et al., 2003).


Der von uns gewählte Ansatz bildet die Verknüpfung mit den Überlegungen einiger Theoretiker der „Entwicklungsökonomie“[ii], zugleich Ökonomen, Soziologen und Anthropologen, die die „zivilisierende Mission“ der Entwicklung betrachteten. Indem sie mit dem traditionellen Entwicklungskonzept brachen[iii], verstehen sie es seither als eine Verpflichtung, sich an die Realitäten und Wünsche der betroffenen Gesellschaft anzupassen (Perroux, 1981). Es ist somit notwendig, die wirtschaftlichen und sozialen Gesichtspunkte mit einzubeziehen und zu berücksichtigen, dass die lokale Entwicklung aus einer komplexen Dynamik zwischen privaten und öffentlichen Akteuren entsteht.


Die Koordination dieser Akteure erfordert ein Führungsmodell, das auf der Aufteilung des Risikos zwischen den Antragstellern und Finanzierungspartnern beruht. Dies wird von den Einrichtungen zur islamischen Mikrofinanzierung in ihren partizipativen Verträgen angeboten. Die islamische Finanzierung zeigt sich somit als eine Alternative zur klassischen Finanzierung. Eine Erinnerung an die Prinzipien der islamischen Wirtschaftstheorie (Solidarität, Aufteilung der Verluste und Gewinne, Ethik...) zeigt, dass die partizipative Finanzierungsweise für die Eigenheiten der lokalen Entwicklungsprojekte geeignet ist.


Methodologie


Unsere Vorgehensweise bestand darin, die vorhandene Literatur durchzugehen und die Akteure unterschiedlicher Niveaus vor Ort zu befragen. Sie ist somit sowohl induktiv als auch deduktiv.


Es konnten mit Hilfe von Interviews mit 25 an Entwicklungsprojekten beteiligten Personen qualitative Daten gesammelt werden. Quantitative Daten von 220 Personen konnten mithilfe einer Umfrage der breiten Bevölkerung zusammengetragen werden. Durch diese Feldstudien ergab sich ein Bild davon, was unter „lokaler Entwicklung“ verstanden wird. Und wir wurden in unserer Idee bestärkt, dass die lokale Entwicklung derzeit unbefriedigend ist und dass die klassische Finanzierung durch Banken ungeeignet ist.


Als Verantwortlicher für eine Einrichtung für islamische Mikrofinanzierung haben wir auf die Forschung und Intervention zurückgegriffen. Zwei erfolgreich abgeschlossene Simulationen von landwirtschaftlichen und agroindustriellen Finanzierungsprojekten wurden vorgestellt.


Zur Vertiefung...


Causse G. (2012), « Islamic Finance : An Alternative Finance or an antidote to the crisis of capitalism ? », Kap. 9, in Recent Developments in alternative Finance : Empirical Assessments and Economic Implications, Ed. Emerald, 173-196.

Greffe X. (2002), « Le développement local », Edit. De l’Aube, 200 S.

Meliani H. und Aghrout A. (2011), « Développement de la microfinance islamique : perspectives », in Finance islamique : regard (s) sur une finance alternative, Ed. Mazars Algérie, 449 S.

Perroux F. (1981), « Pour une philosophie du nouveau développement », Ed. Aubier, 279 S.

Tremblay P-A. und Fontan J-M. (Sous la dir. de) (2003), « Le développement local : nouvelles perspectives », Revue Interventions économiques, 110 S.


 

[i] Mehr als 40% der Bevölkerung lebt unter der Armutsgrenze. [ii] Bewegung, die 1979 während eines Treffens von Fachleuten aus 17 Ländern in Quito entstanden ist. [iii] Entwicklung nach einem universellen Wirtschaftsmodell, das auf einem Wachstumsziel beruht, das mit Produktionskennzahlen, im Wesentlichen dem Bruttosozialprodukt, gemessen wird.

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