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Unternehmertum von Kamerunern in Quebec, Herausforderungen und entscheidende Erfolgsfaktoren



Ledoux TCHUISSEU NGONGANG

Einwanderungsberater Kanada

Doktor DBA, Business Science Institute

Laval, Québec, Kanada

(DBA-Dissertation betreut von Prof. E. Kamdem)



Emmanuel KAMDEM

Professor

ESSEC, Universität Douala / IME, Douala*


*Mitglied der Fakultät des Business Science Institute

 


Einleitung


Wie lässt sich das Unternehmertum von Kamerunern, die in Quebec leben, charakterisieren? Wie beeinflussen Fördereinrichtungen und -maßnahmen ihren unternehmerischen Erfolg? Inwiefern kann eine unternehmerische Tätigkeit ihre berufliche Integration vorantreiben? Kann das kamerunische Unternehmertum als eine Dimension des Managements der Vielfalt in Quebec angesehen werden? Diese Fragestellungen ermöglichen, die Probleme der sozialen und beruflichen Integration der in Quebec wohnenden Kameruner zu verstehen.


Auswirkungen und Hauptergebnisse der Forschungen


Die Ergebnisse dieser DBA-Doktorarbeit zeigen, dass sich die Häufigkeit, mit der in Quebec lebende Kameruner Unternehmen gründen, als eine Reaktion auf die Schwierigkeiten, die sie auf ihrem Weg zur beruflichen Eingliederung in ihrem Gastland haben, zu verstehen ist. Diese Schwierigkeiten haben unterschiedliche Ursachen: die Einwanderung (fehlende Vorbereitung im Ursprungsland, vor der Ankunft in Quebec); das Klima (Konfrontation mit dem kalten, eisigen Klima); die Sprache (fehlerhaftes Verständnis des kanadischen Französisch); Bildung (unvollständige und eingeschränkte Anerkennung des Studiums und der Studienabschlüsse im Ursprungsland); Kultur (langsame Anpassung an die vorherrschenden sozialen Normen). Mit derartigen Schwierigkeiten konfrontiert gehen diese Menschen, die sich in einem prekären Einwanderungsprozess befinden, das Risiko des Unternehmertums ein mit der Hoffnung, ihr Ziel der beruflichen Autonomie zu verwirklichen.

Die wissenschaftlichen Beiträge dieser Doktorarbeit sind dreischichtig. Auf der Managementebene liegt die Betonung auf den Finanzierungsmöglichkeiten: Finanzierung aus eigenen Mitteln, Finanzierung durch die Familie, Finanzierung durch Netzwerke von Personen gleicher ethnischer Herkunft (Descourrière und Chaze, 2006). Die befragten kamerunischen Unternehmer haben ihre Projekte mit Eigenkapital und/oder mit einem Darlehen bei bereits in Quebec lebenden Verwandten oder Freunden gestartet. Auf gesellschaftlicher Ebene sind Strukturen zur Unternehmensförderung in Quebec zahlreich und vielfältig. Leider nutzen potenzielle kamerunische Unternehmer diese nicht auf optimale Weise, da ihnen die aktuell geltenden Verwaltungsverfahren wenig vertraut sind (Cisneros, et al., 2021). Auf begrifflicher Ebene kann das Unternehmertum der Kameruner in Quebec als hybrid und koopetitiv bezeichnet werden (Battista Dagnino, Le Roy Yami, 2007). Diese Unternehmer verhalten sich zugleich kooperativ (Solidarität von Personen mit gemeinsamen Interessen bei familiären Ereignissen) und kompetitiv (individuelle Konkurrenz bei der Verwirklichung der Unternehmensprojekte).


Theoretische Forschungsgrundlagen


Für diese wissenschaftliche Arbeit wurden vier komplementäre theoretische Ansätze herangezogen mit dem Ziel, das unternehmerische Verhalten der Personen, die sich in einem Einwanderungsprozess in einem fremdes Land befinden, zu analysieren. Der situationsbedingte Ansatz spannt sich um die Thematiken des Arbeitsplatzverlustes sowie der religiösen und sprachlichen Diskriminierung (Blais und Toulouse, 1990). Der strukturelle Ansatz zeigt die unternehmerischen Gelegenheiten und Strategien von ethnischen Gemeinschaften auf (Aldrich und Waldinger, 1990). Der kulturelle Ansatz hebt die kulturellen Eigenheiten von unternehmerischen Gemeinschaften hervor (Busenitz et al., 2003; Kamdem, 2001, 2015). Der retikuläre Ansatz untersucht das soziale Kapital und die Netzwerke (Familie, Ethnie, Verein, Tontine usw.) der Unternehmensgründer (Granovetter, 1973, 2018). Diese vielfältigen theoretischen Ansätze rechtfertigen sich durch die Komplexität der Forschungsthematik und der betroffenen sozialen Kategorie. Eine Komplexität, die einen interdisziplinären Blick (unternehmerisch, wirtschaftlich, juristisch und anthropologisch) erfordert.


Methodologie


Da es sich um eine explorative Studie handelt, wird das epistemologisch-pragmatisch-konstruktivistische Paradigma verwendet, um zur Ko-Konstruktion eines unternehmerischen Modells der aus Kamerun stammenden Bewohner Quebecs beizutragen. Die Datensammlung erforderte eine Triangulation, um eine maximale Anzahl stichhaltiger Informationen zusammenzutragen. Die autoethnographische Methode (Diop Sall, 2018) ermöglichte die Beschreibung von vier Fallbeispielen von Unternehmen, die vom Doktoranden in unterschiedlichen Tätigkeitsbereichen gegründet wurden: Einzelhandel (Dollar Québec); Fastfood (Valentine); Energiebewertung (Carrefourenergie); Einwanderungsberatung für Kanada (Immigration Bellevie). Es wurden fünf halbstrukturierte Interviews mit aus Kamerun stammenden und in Quebec lebenden Unternehmern durchgeführt. Unterschiedliche Schriften aus Archiven Quebecs wurden ausgewertet, um ihre Eigenheiten im Zusammenhang mit den theoretischen Modellen zum Unternehmertum von Migranten zu entschlüsseln.


Zur Vertiefung


Aldrich, H. E. & Waldinger R. (1990). “Ethnicity and entrepreneurship”. Annual review of sociology, S. 111-135.


Battista Dagnino, G., Le Roy, F., Yami, S. (2007). « La dynamique des stratégies de coopétition ». Revue française de gestion, 7(176), S. 87-98.


Blais, R. A. & Toulouse, J.-M. (1990). « Les motivations des entrepreneurs : une étude empirique de 2278 fondateurs d'entreprises dans 14 pays ». Revue internationale des P.M.E., 3(3-4), S. 269-300.


Busenitz, L. W., Shepherd, D. A., Nelson, T., Zacharakis, A. L., Chandler G. N. (2003). “Entrepreneurship in emergence: Past trends and future directions”. Journal of Management, http://jom.sagepub.com/cgi/content/abstract/29/3/285.


Cisneros, L. et al. (2021). Entrepreneuriat immigrant au Québec. Un écosystème entrepreneurial catalyseur ou inhibiteur ? Institut d’Entrepreneuriat, Banque Nationale, HEC Montréal.


Descourrière, L. et Chaze, C. (dir.) (2006). Créateurs d’entreprise immigrés et microcrédit. Paris, Association pour le droit à l’initiative économique (ADIE).


Diop Sall, F. (2018). « La méthode ethnographique ». Dans F. Chevalier (dir.), Les méthodes de recherche du DBA. EMS, Editions Business Science Institute, S. 140-157.


Granovetter, M. (1973). “The strength of weak ties”. American Journal of sociology, 78(6), S. 1360-1380.


Granovetter, M. (1985). “Economic action and social structure: the problem of embeddedness”. American Journal of sociology, 91(3), S. 481-510.


Kamdem, E. (2001). « Entrepreneuriat et sciences sociales en Afrique ». Management International, 6(1), S. 17-32.


Kamdem, E., in Zusammenarbeit mit R. Nkakleu (2015). Profils et pratiques d’entrepreneurs camerounais, Paris, L’Harmattan.

Schlüsselwörter: Unternehmertum, Fördermaßnahmen, Einwanderung, Volkszugehörigkeit, Kamerun, Quebec.

 

Siehe auch...


Die DBA-Verteidigung von Ledoux Tchuisseu Ngongang


Bücher und Artikel von Emmanuel Kamdems über CAIRN.info.



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