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Finanzierung der Klimaanpassung in Mali: Entwurf und Umsetzung eines integrativen Modells



Mohamed Francis KEITA

Berater für das Management der ökologischen Nachhaltigkeit

Dr DBA Business Science Institute / Bamako, Mali



Emmanuel KAMDEM

Professor der Universitäten

Universität Douala / EWI, Douala

Business Science Institute

 

Schlüsselwörter: Klimawandel, Klimaanpassung, nachhaltige Entwicklung, Finanzierung, Diaspora, Mali.


Kontextualisierung und Fragestellung


Mali, ein Sahelland, das mit vielfältigen Krisen konfrontiert ist (u. A. Klima-, Energie- und Wirtschaftskrisen bzw. institutionelle Krisen), ist das richtige Umfeld für die Erforschung der Finanzierung der Klimaanpassung. Wie kann die lokale Finanzierung der Klimaanpassung zu einer nachhaltigen Entwicklung in Mali beitragen? Hat das nachhaltige Engagement der Diaspora für die Finanzierung der Klimaanpassung einen Einfluss auf die Migrationsbewegung in Mali? Ist das nachhaltige Engagement der Diaspora für die Finanzierung der Klimaanpassung ein Faktor des sozialen Zusammenhalts? Werden durch die Finanzierung der landwirtschaftlichen Familienbetriebe durch die lokale Bevölkerung weniger Besitzer landwirtschaftlicher Nutzflächen enteignet? All dies sind stichhaltige Fragen für die wissenschaftliche Untersuchung der ökologischen Nachhaltigkeit im afrikanischen Kontext (Kamdem, 2023). Die Globale Umweltfazilität (GEF, 2012) auf den sich diese Forschungsarbeit konzentriert, ist ein internationaler institutioneller Partner, deren Maßnahmen zur Klimaanpassung in Mali an ihre Grenzen gestoßen sind. Dies rechtfertigt den Vorschlag eines alternativen und innovativen Modells, das sich besser in den malischen Kontext einfügt (Kamdem, Chevalier und Payaud, 2020).


Ergebnisse, Empfehlungen und Impakte


Aus den Ergebnissen dieser DBA-Doktorarbeit kristallisieren sich die folgenden sechs wichtigsten Empfehlungen heraus: (1) Die systematische Einbindung der Verantwortlichen für die dezentralisierten Gebietskörperschaften und aller identifizierten Ansprechpartner in den Gemeinden in die Entwicklung der gesamten, in ihren Gemeinwesen verwirklichten Projekte. (2) Die Information, Schulung und Stärkung der Kapazitäten im Zusammenhang mit den Bedrohungen und Konsequenzen des Klimawandels sämtlicher lokaler Bevölkerungen. (3) Die Verstärkung des Finanztransfers der malischen Diaspora und deren Orientierung hin zu Investitionen in Projekte zur Klimaanpassung. (4) Die Gründung einer neuartigen Finanzierungseinrichtung für die malische Diaspora mit der Bezeichnung „Banque de la Diaspora“ oder „WATI DÈMÈ“. (5) Die Verbreitung der Unternehmerkultur und von Gründerzentren für die allgemeine Begleitung von Projekten zur Klimaanpassung in Mali. (6) Die Reform und Umstrukturierung des aktuellen nationalen und regionalen Bankensystems, um die effiziente Einführung der dargestellten Empfehlungen sicherzustellen.


Die Auswirkungen der Einführung dieser Empfehlungen sind auf unterschiedlichen Ebenen zu erkennen. Auf Managementebene können die derzeit für den Konsum (hauptsächlich Lebensmittel) bestimmten Finanztransfers der Diaspora besser hin zur finanziellen Beteiligung an nachhaltigen Investitionsprojekten orientiert werden (Elektrifizierung der Dörfer, Modernisierung der ländlichen Wasserver- und Abwasserentsorgung, agroindustrielle Reform des lokalen landwirtschaftlichen Anbaus, Pflanzen von Bäumen zur Begrenzung der fortschreitenden Wüstenbildung (Sahel-Syndrom), Aufwertung des Unternehmertums und unternehmerische Begleitung von jungen Leuten und Frauen). Auf Umweltebene können innovative Projekte zur Klimaanpassung dazu beitragen, die zerstörerischen Auswirkungen des Klimawandels und der steigenden Wüstenbildung im Land zu begrenzen. Sie können auch die riskanten Auswanderungsversuche und die Entvölkerung der Dörfer und ländlichen Gemeinschaften verringern. Auf institutioneller Ebene ist die Hauptauswirkung die Notwendigkeit, das nationale malische und subnationale afrikanische Bankensystem (CEDEAO) zu reformieren, um den Regulierungsrahmen der Bankgeschäfte zu verändern. Dies sollte die Gründung einer lokalen Bank ermöglichen, die ganz und gar auf die Annahme von Spareinlagen der malische Diaspora ausgerichtet ist, um die Finanzierung von Projekten zur Klimaanpassung zu ermöglichen.


Theoretische Grundlagen


Ein derart komplexes Thema in einem nationalen Kontext, der durch seine Komplexität charakterisiert ist (Mali), zu behandeln, erfordert die Entwicklung eines mehrdimensionalen Theoriegerüstes im Schnittpunkt von vier Disziplinen: dem Finanzwesen, um die Finanzierungsmechanismen von Projekten zur Klimaanpassung zu verstehen (Weikmans, 2018, Nakhooda, Fransen & Kuramochi, 2013); der gesellschaftlichen Unternehmensverantwortung (CSR), um die Finanzierung von Projekten zur Klimaanpassung durch Unternehmen zu untersuchen (Mousel, 1999); die nachhaltige Entwicklung, um die Perspektiven der wissenschaftlichen Untersuchungen dieser Fragestellung im afrikanischen Kontext zu analysieren (Wong, 2020); die Anthropologie und die Geschichtswissenschaften, um die Kenntnisse und alteingesessenen Praktiken im afrikanischen Umfeld zu identifizieren. Es handelt sich insbesondere um die in der Manden-Charta (Kurukan Fuga, 1236). Diese Charta, die im 13. Jahrhundert vom Herrscher des malischen Königreichs Soundiata Keïta proklamiert wurde, wurde von der UNESCO (2009) zum immateriellen Kulturerbe der Menschheit ernannt. Eine der grundlegenden Menschenrechte dieser jahrhundertealten Charta ist die Bewahrung der Natur (Fall, 2009; Jolly, 2010).


Methodologie


Die explorative Perspektive dieser empirischen Forschungsarbeit erforderte ein Zurückgreifen auf die pragmatische Erkenntnistheorie und die auf einen einzelnen Fall angewandte (Yin, 2009) qualitative ethnografische Methode (Diop-Sall, 2018). Die Globale Umweltfazilität (GEF) ist ein perfektes Beispiel für die Mängel und Grenzen von Finanzierungen durch internationale Kapitalgeber (insbesondere durch die Weltbank). Die Datensammlung erfolgte im Wesentlichen in einer der am meisten von den zerstörerischen Konsequenzen des Klimawandels betroffenen ländlichen malischen Gemeinde (Yéréré). Es wurden 120 halbstrukturierte Interviews mit unterschiedlichen Akteuren durchgeführt, die an Projekten zur Klimaanpassung beteiligt sind (Behörden, traditionelle und religiöse Obrigkeiten, nach einer Emigration nach Mali zurückgekehrte Bürger und Bürgerinnen, im Ausland wohnende malische Staatsangehörige, die in die Heimat zurückkehren möchten). Diese Interviews wurden durch Erfahrungsberichte vervollständigt, die in sechs Diskussionsgruppen gesammelt wurden, die hauptsächlich im Hinblick auf die ethnische Vielfalt der Teilnehmer zusammengestellt wurden. Dies wurde berücksichtigt, um der ethnische Vielfalt der malischen Gesellschaft Rechnung zu tragen und um zu einem besseren Verständnis der kulturellen und religiösen Belange der Bevölkerungsgruppen beizutragen, auf die die Projekte zur Klimaanpassung abzielen. Die qualitative Datenanalyse erfolgte nach dem „allgemeinen induktiven Ansatz“, der von Thomas (2006) empfohlen wurde.


Die Qualität der Ergebnisse und die weitreichenden Auswirkungen dieser Doktorarbeit wurden von den Mitgliedern der Promotionskommission des Business Science Institutes anerkannt, die sie unter den fünf besten Doktorarbeiten für den Preis für die Auswirkungen auf die Managementpraxis 2023 ausgewählt haben.


Literaturverzeichnis


Diop Sall, F. (2018). La méthode ethnographique. Dans F. Chevalier (dir.). Les méthodes de recherche du DBA. EMS, Editions Business Science Institute, 140-157.

Fall, A. B. (2009). La charte africaine des droits de l’homme et des peuples : entre universalisme et régionalisme. La démocratie en Afrique, 129, 77-100.

FEM (2012). Clarification on the Concept of Additional Costs of Adaptation to Climate Change. Washington, D.C.

Jolly, É. (2010). L'épopée en contexte Variantes et usages politiques de deux récits épiques (Mali/Guinée). Annales. Histoire, Sciences Sociales, 65, 885-912.

Kamdem, E. (2023). Développement durable en Afrique : exploration des voies de recherche en contexte de crise post-pandémique. Dans Chevalier, F. et Kalika, M. (dir.), Recherches sur la Sustainability (pp. 519-534). Caen, éditions Entreprise et Management, collection Business Science Institute.

Kamdem, E., Chevalier, F. et Payaud, M. A. (2020). La recherche enracinée en management : contextes nouveaux et perspectives nouvelles en Afrique (pp. 89-103). Caen, Éditions Management & Société (EMS), collection Business Science Institute.

Keita, M. F. (2023). Conception et mise en œuvre d’un modèle intégrateur de financement de l’adaptation climatique au Mali : cas du Fonds pour l’Environnement Mondial (FEM). Thèse de DBA, Luxembourg, Business Science Institute.

Mousel, M. (1999). Changement climatique et gouvernance mondiale. Responsabilité & Environnement, 15, 5-12.

Nakhooda, S., Fransen, T., Kuramochi, T., (2013). Mobilising international climate finance: Lessons from the Fast-Start Finance Period. Open Climate Network, ODI, WRI & IGES, London.

Thomas, D. R. (2006). A general inductive approach for analyzing qualitative evaluation data. American journal of evaluation, 27(2), 237-246.

Weikmans, R. (2018). Évaluation de l’aide et mobilisation financière internationale autour de l’adaptation au CC. Revue internationale des études du développement, 2, 151-175.

Wong, A. (2020). Singularisation et universalisation des pratiques de RSE et de développement durable en Afrique. Dans Kamdem, E., Chevalier, F., Payaud, M. A. (dir.) (2020). La recherche enracinée en management : contextes nouveaux et perspectives nouvelles en Afrique (pp. 89-103). Caen, Éditions Management & Société (EMS), collection Business Science Institute.

Yin, R. K. (2009). Case Study Research: Design and Methods. Thousand Oaks, Sage Publications.


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