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Managementwissenschaften sind die neue Politikwissenschaft, von Y. Pesqueux



Yvon Pesqueux

Professor am Conservatoire National des Arts et Métiers (Nationales Konservatorium für Kunst und Gewerbe)

Business Science Institute


 

Yvon Pesqueux geht in diesem Interview auf die Bedeutung der kritischen Reflexion und der politischen und moralischen Dimension in den Managementwissenschaften ein. Er beginnt mit der Anregung, dass die Managementwissenschaften einen zentralen und reflektierten Platz in der akademischen Welt einnehmen sollten. Seiner Ansicht nach hätte eine stärkere Reflexion vielleicht dazu beigetragen, einige der aktuellen Krisen zu verhindern.



Das Interview beleuchtet auch die in der Betriebswirtschaftslehre beobachteten Fehlentwicklungen, insbesondere im Bereich des Managements. Pesqueux betont, dass diese Auswüchse häufig damit zusammenhängen, dass Konzepte und Methoden aus anderen Disziplinen, wie der Politikwissenschaft, übernommen werden, ohne dass ausreichend über ihre erkenntnistheoretischen Grundlagen nachgedacht wird. Dies kann zu einer reduzierten und autoritären Sichtweise des Managements führen.


Yvon Pesqueux ist für seine Arbeiten zu Vertragstheorien, insbesondere amerikanischer Prägung, bekannt. Er betont, dass Modelle und Theorien einen erheblichen Einfluss auf unser Verständnis der Welt haben und dass diese zugrunde liegenden Ideologien die Realität unbeabsichtigt verändern können. Er wirft die Frage nach der Trilogie zwischen Modell, Theorie und Darstellung auf und betont, dass viele Managementtheorien in Wirklichkeit Modelle sind, die am Aufbau und an der Verstärkung bestimmter Darstellungen beteiligt sind.


In dem Gespräch wird auch die Logik des "Problem Solving" angesprochen, bei dem eine Person die unumstößliche Lösung für ein Problem besitzt. Pesqueux stellt die Starrheit dieses Ansatzes und die fehlende Diskussion über die vorgeschlagenen Modelle in Frage. Er nutzt das Beispiel des Krankenhausmanagements, um die schwerwiegenden Folgen zu veranschaulichen, die dies haben kann, insbesondere in Krisenzeiten wie der COVID-19-Pandemie.


Schließlich hebt Yvon Pesqueux die Bedeutung der politischen und moralischen Dimension in den Managementwissenschaften hervor. Er argumentiert, dass jede Disziplin, auch die Managementlehre, eine politische und moralische Dimension hat, was eine gründliche Reflexion erfordert. Er ermutigt Forscher und Praktiker, den einigen Ansätzen potenziell innewohnenden Autoritarismus zu erkennen und innerhalb der Managementwissenschaften eine kritische Debatte über diese Fragen zu führen.


Alles in allem hebt Yvon Pesqueux die Bedeutung von kritischer Reflexion, Ethik und dem Bewusstsein für politische Herausforderungen in den Managementwissenschaften hervor und warnt gleichzeitig vor den Auswüchsen, die mit der unreflektierten Übernahme von Konzepten und Modellen einhergehen.

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